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Winterschäden

Wie vermeide ich Winterschäden bei Topfpflanzen?

Nicht extrem winterharte Pflanzen in Töpfen draußen zu überwintern ist ohne "den richtigen Schutz" eigentlich immer von schlechten Eltern.
Wenn Väterchen Forst einmal etwas länger auf Besuch bleibt und nicht nur nachts mal hin und wieder bis in die frühen Morgenstunden herein schleicht, dann frieren die Wurzelballen in den Töpfen in der Regel immer komplett durch - da nützen auch sämtliche Verrenkungen mit Isolierungsmaßnahmen nicht die Bohne, wenn die Wärmeübertragungskette vom Erdboden aus großflächig spätestens am Topfboden und den Seitenwänden unterbrochen wird.
Schließlich wird die im Sommer gespeicherte Erdwärme im Winter kontinuierlich von unten her nach geliefert.

"Der richtige Schutz"
Wer kein Kalthaus oder eine unbeheizte Garage sein Eigen nennt, der zieht noch wesentlich bessere Karten, wenn er seine Pflanzen im Topf mit dem Selbigen komplett eingräbt und oben großflächig eine dicke Schicht feines Strohhäcksel aufbringt.
Das ist im Prinzip auch nicht mehr Arbeit als die ganze Wicklerei mit Noppenfolie, Jute, Fließ usw. aber wesentlich Erfolg versprechender.
Jeder, der in Physik bei Wärmelehre nicht gefehlt hat, kann diese Handlungsweise nachvollziehen!


Auch bei Bambus kann es im Winter bei Temperaturen deutlich unter null Grad Celsius zu Schädigungen kommen.

Dabei gibt es zwei prinzipiell unterschiedliche Schädigungsmuster:

  • Über die Blätter verliert Bambus durch Verdunstung besonders bei starkem trocknenem Wind und Sonneneinstrahlung viel Wasser, welches bei gefrorenem Boden nicht über die Wurzeln aufgenommen werden kann.
    Folge ist hierbei die Austrocknung der Zellen - der Stoffwechsel kommt zum Erliegen. Die Blätter werden dann meistens als erste Pflanzenteile durch Vertrocknung zerstört.
  • Direkte Erfrierung. Die in den Pflanzenzellen vorhandenen Elektrolyte verhindern bis zu einer gewissen Temperatur das Wachsen von Eiskristallen und damit die Zerstörung der Zellwände (Pflanzeneigener Gefrierschutz).
    In der Pflanze wachsende Eiskristalle zerstören nach und nach sämtliche funktionelle Einheiten und Zellstrukturen.

Die folgenden beiden Bilder zeigen stark vergrößert äußere Zweigspitzen eines Halmes von Phyllostachys Bambusoides, welcher im Jahr 2009 erst im August ausgetrieben ist.
Den noch unausgereiften Halm hat der heftige Frost des letzten Winters fast alle Blätter gekostet.
Dennoch hat der Halm bis in die Spitze überlebt. Überall bis oben hin beginnen vereinzelt Blattknospen auf zu springen.





Also keine Bange - die meisten Halme, welche sich nicht deutlich ins Graubraune verfärbt haben, werden sich wieder neu beblättern ...
... und (fast)alles wird wieder grün!



Die Winterschäden nach Weihnachten 2008:

Die Diagramme (Position:  52°36'6.27"N   7°52'53.94"O) hier unten im PDF-Format (Acrobat Reader o. Foxit Reader zur Anzeige erforderlich!) zeigen den jeweiligen Monatsverlauf von Außentemperatur gemessen abgeschaltet in 2 m Höhe über dem Boden und die luftfeuchtigkeit außen, machen jedoch keine Angaben über die Bodentemperatur.

Unterschiede von Luft- u. Boden- Temperatur:

Besonders wenn nachts die Luftfeuchtigkeit einen niedrigen Wert hat, wird sehr viel (langwelliges Infrarot) Wärmestrahlung vom Boden aus in den Weltraum abgestrahlt und dadurch verliert der Boden stärker an Temperatur gegenüber der umgebenden Luft. In diesem Fall können die Bodentemperaturen deutlich geringer ausfallen als die umgebene Lufttemperatur.
Ist die Luftfeuchtigkeit hingegen sehr hoch oder sogar voll gesättigt, so dass die Luft von Nebeltröpfchen erfüllt ist, dann kann die Wärmestrahlung von der Erde aus nicht im gleichen Maße abgestrahlt werden, weil sie von der, mit Feuchtigkeit übersättigten Atmosphäre zurück gestrahlt (reflektiert) wird.
In diesem Falle wird die Bodentemperatur nur unwesentlich niedriger ausfallen als die Lufttemperatur.

Zur Zeit der tiefsten Luft- Temperaturen von minus 10,2 Grad Celsius im Januar Diagramm 2009 ist sehr schön die korrespondierende geringe relative Luftfeuchtigkeit von 74,5 Prozent zu erkennen, wo durch die Bodentemperatur zu dieser Zeit um ca. 4 Grad Celsius niedriger ausgefallen ist.

Hier noch zum Vergleich die Temperatur/Feuchtigkeitsdaten vom Schmuse- Winter 2007/8:


Die Winter-Schäden 2008/9 bei Bambus im Einzelnen:

Nigra Boryana ca. 15 Prozent Blatt Schaden, Nigra Henonis etwa 10 Prozent Blatt Schaden, heteroclada und viridiglaucescens ca. 20% Blatt Schaden, Dulcis etwa 5 bis 10 Prozent Blatt Schaden, Vivax ebenfalls etwa 5 bis 10 Prozent Blatt Schaden, etwa 10 bis 30 Prozent bei Aurea sehr unterschiedlich, da es mehrere Standorte in unserem Garten gibt.

Vollständig schadensfrei haben in diesem Winter überstanden: alle Aureosulcata, Shanghai 3, Decora (Mannii), Rubromarginata, Atrovaginata, Nuda und Parvifolia.